Interessant ist, daß uns bis heute niemand erklären konnte, was in der unterirdischen Kammer
wirklich vor sich geht. Wir haben mit Freunden gesprochen, die seit vielen Jahren auf dem
Gizeh-Plateau als Archäologen tätig sind. Doch nichts. Keiner weiß, wer hier gräbt. Uns ist
bekannt, daß auf dem Plateau auch so einige Geheimniskrämerei betrieben wird; daß verschiedene
Gruppen existieren, die gegeneinander arbeiten. Wer auch immer für die Zuschüttung des unterirdischen
Schachtes verantwortlich war, er hat offenbar sehr intensiv gearbeitet – oder arbeiten lassen. Hier
mußte wie gesagt tonnenweise Sand durch den nicht enden wollenden absteigenden Gang nach unten
transportiert worden sein. Aber wie? Eine elende Plackerei, die an die Zeiten des Pyramidenbaus erinnert!
Als ob man da unten ein kleines Richtfest gefeiert hätte, stakte aus dem Sandhaufen eine dünne, am
oberen Ende u-förmig abgebogene Eisenstange heraus. Schon ziemlich seltsam, das Ganze. Und unsere
eckige Öffnung war nun von Sand verdeckt und komplett unsichtbar. Wir konnten uns in dem Moment nicht
mehr zurückhalten, plötzlich so manche, auch eher weniger glaubhafte Vertuschungsgeschichte für ziemlich
realistisch zu halten.
Bei unserem nächsten »Besuch in der Unterwelt« lugte plötzlich wieder ein Stückchen der seitlichen
Öffnung hervor.
Da das Niveau des Sandhügels dort unten nicht ohne weiteres erreichbar war, mußten andere Maßnahmen
ergriffen werden, um ein wenig mehr über das Geheimnis herauszubekommen. Denn langsam dämmerten
Verdachtsmomente. Was, wenn uns diese komplette Sandfüllung nur vorgetäuscht würde? Schließlich
schien doch ziemlich abstrus zu sein, daß jenes mysteriöse Grabungsteam ständig tonnenschwere
Sandmassen durch die engen Pyramidenschächte hievte! Was, wenn man einfach einen großen Deckel
über den vertikalen Schacht legte? Eine leicht beherrschbare Ladung Sand drauf und fertig! Nur
ein paar Steinwürfe genügten, um die These zu bestätigen. Der Sandhaufen klingt hohl! Er dämpft
allerdings das Aufprallgeräusch, so daß unklar bleibt, ob der Deckel aus Holz oder Metall ist, aber
das war uns auch leidlich egal.
Jetzt wurde auch urplötzlich sonnenklar, was der seltsame Metallstab da unten für einen Zweck erfüllt.
Er dient natürlich als Henkel, an dem man die Abdeckung per Flaschenzug nach oben heben kann. Schaut
man genauer hin, fällt noch eine zweite Stange auf der anderen Seite auf.
Von wegen tonnenweise Sand. Lediglich eine dünne Schicht muß zur Tarnung drauf. Warum aber überhaupt
eine Tarnung in diesem selten betretenen Bereich der Großen Pyramide? Warum eine Schicht Sand auf den
Deckel? Wenn es lediglich um eine Absicherung ginge, würde eine schlichte Abdeckung völlig genügen.
In diesem Falle deutet momentan alles darauf hin, daß hier wirklich bestimmte Informationen innerhalb
einer sehr kleinen Gruppe gehalten werden sollen. Immerhin war uns möglich, einen seitlichen, künstlich
geschaffenen Eingang im senkrechten Schacht zu sehen. Hier geht es ganz offenbar weiter, und man scheint
bereits etwas gefunden zu haben, was nur wenige wissen dürfen. Vielleicht ist alles ganz harmlos,
vielleicht ist es nur einer der Trümpfe, die sich die Altertümerverwaltung für künftige Medienereignisse
aufheben will...
Bei all diesen Beobachtungen fiel uns wieder eine kurze Schilderung ein, die der oft geschmähte Maqrizi
in sein Pyramidenkapitel einbringt. Als er von der Großen Pyramide spricht, erwähnt er ein mysteriöses
Gemach, dessen Beschreibung zu keinem bekannten Raum wirklich paßt. Am ehesten deckt sie sich mit der
unterirdischen Kammer: »Ich suchte ihr Inneres auf und erblickte ein großes gewölbtes Gemach, dessen
Basis ein Viereck bildete, während es oben rund war. In der Mitte befand sich ein viereckiger
Brunnenschacht von 10 Ellen Tiefe«. Das könnte der Schacht sein, in dem heute jene seltsamen
Aktivitäten stattfinden. »Steigt man in ihm herab, so entdeckt man auf jeder seiner vier Seiten
eine Pforte, die zu einem großen Raum führt, in dem Leichname liegen, Söhne Adams ... In diesem
Brunnenschacht sind vier mit Leichnamen angefüllte Räume«. Wieviel von diesem Bericht ist Fakt und
wieviel Fiktion? Von einem »gewölbten Gemach« weiß man heute nichts, weder von offizieller noch von
inoffizieller Seite sind uns hierzu Bestätigungen bekannt. Ein viereckiger Schacht in einer Kammer
existiert aber auf jeden Fall. Wir können belegen, daß dieser Schacht zumindest eine seitliche Öffnung
besitzt. Alles weitere verliert sich im Dunkel der Unterwelt. Nur fragt sich, warum dieser Schacht bei
einigen nicht identifizierten Ausgräbern auf so großes Interesse stößt, daß sogar die Ausgrabung selbst
offenbar vernebelt werden muß.
Wir haben am Plateau aber noch mehr gefunden, worüber seltsamerweise bisher nicht berichtet worden ist.
Die Suche findet weiterhin unter der Erde statt.