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Ich war noch gar nicht am Gipfel angekommen, als ich mehr oder minder zufällig einen kurzen Blick
über die linke Schulter machte und wie gebannt innehielt: Da war sie! Da lag ganz deutlich die
Geheimanlage und der See. Fantastisch! Noch verdeckten vorgelagerte Höhenzüge einen Großteil des
Geländes, doch da war sie! Was für einige sehr wenige Menschen eine alltägliche Selbstverständlichkeit
war, was bei anderen vielleicht nicht einmal ein gleichgütliges Achselzucken bewirkt hätte, kam mir
vor wie ein Weltwunder. Vielleicht war es das ja auch. Zumindest hatte sich die Rutscherei auf dem
Geröll wirklich gelohnt.
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Blick vom 40 km entfernten Tikaboo Peak auf Area 51.
Originalbild
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Andreas von Rétyi auf dem Tikaboo Peak
Originalbild
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Schließlich hatte ich den letzten Abschnitt des Aufstiegs auch noch hinter mich gebracht und traf
hier auch wieder auf Steffen, der sich auf dem Gipfel wohl schon eine zeitlang der Beobachtung
gewidmet hatte. Hier oben war es direkt gemütlich. Glenn Campbell, der lange Jahr führende
amerikanische Area-51-Aktivist, hatte zusammen mit anderen aus der eingeschworenen Gruppe der
»Abfangjäger« oder »Interceptors« eine kleine Steinmauer aufgeschichtet und einen leichten
Klappstuhl deponiert. Das mit den Klappstühlen ist ohnehin eine kleine Geschichte für sich.
Sie verschwanden in regelmäßigen Abständen. Offenbar kamen hier immer wieder Security-Leute
hoch und räumten auf. Die »Interceptors« brachten neue Stühle mit, und das Spiel wiederholte
sich. Vielleicht würden wir manches dafür geben, wenn wir dort sein könnten, wo diese Stühle
jetzt stehen...?
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Stühle hin, Stühle her, uns interessierte das momentan wenig. Vielmehr konzentrierten wir unsere
volle Aufmerksamkeit auf die Area 51, die nun in unmittelbarer Sichtlinie vor uns lag. Schon mit
bloßem Auge waren die Hauptgebäude klar und deutlich erkennbar. Die Anlage war im Vergleich zu
Aufnahmen aus den sechziger Jahren beachtlich angewachsen. Tatsächlich hatte sich ihre Größe
zwischen 1960 und 1980 verdoppelt. Etwa hundertachtzig neue Gebäude waren hinzugekommen. Wir
nahmen den Feldstecher und betrachteten einen Abschnitt der Basis nach dem anderen.
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Blick durch einen Feldstecher auf die 40 km entfernte Geheimbasis am Groom Lake.
(Lupe anklicken und mit gedrückter rechter Maustaste in die gewünschte Position ziehen.)
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Als wir das Gelände mit unserem Feldstecher abtasteten, sahen wir plötzlich eine Gruppe von sehr
hell glänzenden Lichtern, die sich kaum merklich bewegten. Diese glänzenden Punkte waren vor vier
sehr großen Hangars positioniert, den
Fremdtechnologie-Hangars.
Ganz offenbar handelte es sich um
mehrere Flugzeuge, deren metallische Oberflächen das Licht der immer noch hochstehenden Sonne in
unsere Richtung reflektierten. Bei aller Mühe, irgendwelche Einzelheiten zu erkennen, die
Leistungsfähigkeit unseres Feldstechers reichte leider nicht aus, um festzustellen, was für
Objekte diese grellen Punkte sein konnten, und was dort unten auf der Basis vor sich ging. Wie
sehr hätte ich jetzt die kräftigen Teleskope benötigt, die sich in meiner Sternwarte ausruhten!
Ich war spezialisiert auf langbrennweitige Stellarfotografie und hätte wohl auch aus der Basis
fast das »Letzte« herausgeholt, bildete ich mir zumindest ein. »Ich muß das irgendwann nachholen«,
schwor ich mir, selbst wenn die großen Geräte nicht mehr transportabel waren. Aber mit einer vom
Gewicht her noch zu bewältigenden Optik würde sich auch schon manches machen lassen. Ich sollte das
später auch tatsächlich nachholen, allerdings von einem anderen, mehr als doppelt so weit entfernten
Standort - dem Gipfel des
Tikaboo Peak,
der nun seinerseits in Gefahr ist, militärisch vereinnahmt zu
werden.
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Gerade in der ersten Hälfte der neunziger Jahre waren die Kontrollen um die Basis herum sehr streng.
Vor vielen Jahren konnte man sogar noch immerhin bis an das Ostufer des Groom Lake bis zur Sperrzone
vordringen und aus verhältnismäßig großer Nähe mit unauffälligen Objektiven Fotos schießen.
Damals machte dort der CIA-Pilot und mittlerweile eher als sehr kontroverser UFO-Forscher bekannte
John Lear Aufnahmen des Komplexes und wurde natürlich auch seinerzeit schon von Security-Guards
gefilzt. Allerdings hatte er seine Fotoserie kurz hintereinander zweimal geschossen und den ersten
Film versteckt. Den anderen holte er wie gefordert aus der Kamera und gab ihn den Sicherheitsleuten.
Dann, 1984 vereinnahmten die »Chefs« von Area 51 den Groom Range in einer eigentlich illegalen Aktion,
die normalerweise vom Kongreß hätte bewilligt werden müssen. Diese Zustimmung holte man sich erst später.
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Originalbild
Weitere Aufnahme der Basis aus 40 km Entfernung.
Originalbild
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Originalbild
Der champagnerfarbeneFord F 150 ist das neue Fahrzeug der Security.
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Sechsunddreißigtausend Hektar hatte das Militär für sich beschlagnahmt! Nun also, nach der großen
Landnahme von 1984, lag auch die östliche Uferpartie des Sees tief in Dreamland.
Der einzige Berggipfel, von dem aus noch ein Blick auf die Basis riskiert werden konnte, war White
Sides. Später entdeckte Glenn Campbell noch einen zweiten hervorragenden Sichtplatz in den »Jumbled
Hills«, die sich auf der anderen Seite der Groom Lake Road erheben. Campbell nannte diesen besonderen
Höhenzug sinnvollerweise »
Freedom Ridge« (»Freiheitsrücken«).
Ganz offenbar hatten die Geheimniskrämer bei ihrer Planung einfach einen geraden Strich durch die
Landschaft gezogen, um die neue Grenze festzulegen, ohne auch wirklich zu kontrollieren, ob nicht
doch noch eine direkte Sichtverbindung von der Außenwelt bestand, weshalb ihnen gerade diese beiden
Berge entgingen.
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Als den Hintermännern der Area klar wurde, welchen fatalen Fehler sie begangen hatten, war ihnen auch
bewußt, daß sie nicht sofort wieder eine neue Landnahme veranstalten konnten. Das hätte auch so manche
Publicity gebracht. Gefährliche Zeiten: Hier liefen gewaltige Geheimprojekte von immer größerem Umfang
ab und da gab es direkt vor der Tür jene beiden unseligen Bergspitzen, von denen aus viel zu viel zu
sehen war. So blieb dementsprechend nichts anderes übrig, als die Überwachung extrem zu steigern.
Neben den scheinbar unermüdlichen Security-Teams, die mit ihren Ford Broncos und später Jeep Cherokees
fortwährend im Gelände unterwegs sind, wurden Bewegungsmelder eingesetzt, die jeden unerwünschten
Besucher schon aus der Weite ankündigen. Während die Groom Lake Road ohnehin gut exponiert ist,
finden sich diese Melder an allen Schotterstraßen, die zur Area 51 führen. Die Erschütterungen
eines sich nähernden Wagens werden von zwei an der betreffenden Straße vergrabenen Sensoren über
ein ebenfalls verborgenes Kabel an eine Sendeeinheit geleitet, von der sie als Signal mit einer
Frequenz von 496,25 Megaherz an die Wachstationen der Basis übertragen werden. Die Sendeeinheit
liegt dabei meist nur wenige Meter von der Straße entfernt, versteckt hinter Büschen und Steinen.
Außerdem sind im Gelände an einigen Stellen Videokameras positioniert, und es soll auch
Ammoniakdetektoren geben, die angeblich sogar zwischen menschlicher und tierischer Transpiration
unterscheiden können - was aber wohl eine Legende ist.
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Das ausgebaute Back Gate bei Rachel.
Der 3000 Meter hohe Bald Mountain mit Überwachungsstation.
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Überwachungskamera
Geöffneter Transmitter der Straßensensoren.
Nellis Air Force Base
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Zu bestimmten Zeiten waren auch schon Hubschrauber und Flugzeuge im Einsatz, um »Zaungäste« durch
Tiefflugaktionen zu erschrecken, auf dem Weg zum Gipfel einzuschüchtern und möglichst zur Umkehr zu
bewegen.
Von White Sides aus wäre allerdings schon eine recht große Optik nötig gewesen, um zweckmäßige
Aufnahmen machen zu können. Ganz unauffällig hätte sie sich nicht bedienen lassen, und man wäre
nur mit viel Glück oder sehr guter Vorbereitung davongekommen, ohne ertappt zu werden. Jedenfalls
war es unerlaubt, von White Side aus Fotos zu machen oder auch nur Skizzen der Anlage und der
Umgebung anzufertigen. Das sollte mir auch bald die Security noch einbleuen.
Ein Feldstecher, wie wir ihn dabei hatten, wurde gerade noch so eben akzeptiert. Obwohl seine
Leistung nicht ausreichte, um zu erkennen, was diese glänzenden Lichter da unten waren, störte
unsere »Spionagetätigkeit« die Arbeit auf Area 51 in empfindlicher Weise. Offenbar hatte man dort
unten gerade einige geheime Tests vor und mußte nun abbrechen. Tatsächlich war Vorschrift auf Groom
Lake, sofort alles in die Hangars zu rollen und die Tore zu schließen, wenn sich irgend etwas auf
White Sides rührte. Sobald die Security feststellte, daß jemand dem Gipfel entgegenstrebte, ging die
Funkmeldung »Watchdog in effect« an die Basis - »Wachhund in Aktion«. Dann blieb nichts übrig, als das
Unternehmen abzubrechen, und alles Geheime, das man gerade auf der Rollbahn oder sonstwo unter Grooms
freiem Himmel hatte, schnell wieder in die Kiste zu packen. Genau das sahen wir.
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Wahrscheinlich erlebten wir gerade noch die letzten Momente dieses Vorgangs. Die Lichter - es waren
über zehn Stück - näherten sich den Hangars. Mal leuchtete eins der Lichter mehr, mal weniger, während
sie ihre Positionen zueinander leicht veränderten. Sie befanden sich nun knapp vor dem Schatten der
hohen Gebäude. Langsam wurde der metallische Glanz schwächer, bis schließlich nichts mehr zu sehen
war. Die Basis glich einer Totenstadt. Gedauert hatte das Ganze gerade einmal vielleicht zwei bis
drei Minuten, wenn nicht sogar kürzer. ...
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